Personal Training nach Covid-19 / Corona

Die Zahl der Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 durchgemacht haben steigt stetig. Gleichzeitig mehren sich Berichte über lang andauernde Beschwerden und Spätfolgen. In diesem Beitrag gehe ich auf Probleme ein, die nach einer Corona-Infektion auftreten können und beschreibe sport- und bewegungstherapeutische Behandlungsmöglichkeiten.

Beschwerden nach einer Covid-19 Infektion

Eine Infektion durch das neuartige Coronavirus äußert sich in der Mehrheit der symptomatischen Fälle durch Beschwerden im Bereich der Atemwege wie z.B. Husten, Schnupfen oder einer Lungenentzündung. Allerdings ist inzwischen klar, dass sich Covid-19 keineswegs auf die Atemwege beschränkt, sondern als Multisystemerkrankung verstanden werden kann.

Neben Lunge und Herz können z.B. das Verdauungssystem, die Leber, Niere, das Nervensystem, Gelenke und die Haut betroffen sein. Doch auch nach überstandener Erkrankung bleiben häufig Beschwerden in unterschiedlichen Bereichen bestehen.

Selbst 6 Monate nach Entlassung aus dem Krankenhaus berichten fast zwei Drittel der Betroffenen von Fatigue (starke Müdigkeit und Erschöpfung) und Muskelschwäche, und etwa ein Viertel von Schlaf- und Angststörungen oder Depressionen.

Die häufige Beeinträchtigung der Lungenfunktion mit ungewohnter Atemschwere und verringerter Leistungsfähigkeit macht sich im Alltag  bemerkbar. So kann sich eine Treppe deutlich schwerer anfühlen als vorher oder sich das Gehtempo signifikant verringern. Viel früher als sonst führt eine Belastung zu Atemnot oder zumindest einer ungewohnten Atemschwere.

Ein gutes Instrument zur Verlaufskontrolle ist hier der 6-Minuten-Gehtest, der auch in vielen Covid-19 Studien Anwendung gefunden hat. Ich selbst greife hier auf eine jahrelange Erfahrung und einige hundert durchgeführte Tests zurück während meiner beruflichen Tätigkeit in der Pneumologischen Rehabilitation.

Noch einschneidender für den Betroffenen können kardiale Komplikationen sein, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind wie z.B. systemische Entzündung, direkte virale Myokardschädigung oder Hypoxie. Auch bei milden bis moderaten Covid-19 Verläufen kann vergleichsweise häufig eine Entzündung des Myokards (Myokarditis) auftreten oder es können sich Herzrhythmusstörungen manifestieren. Für sehr aktive Menschen und Sportler hat dies drastische Konsequenzen, da bei einer Myokarditis ein Sportverbot von 3-6 Monaten einzuhalten ist.

An dieser Stelle muss allerdings betont werden, dass andere Viren wie z.B.  Parvovirus B19, humanes Herpesvirus 6 sowie Adeno- und Influenzaviren als die häufigsten Erreger einer Myokarditis gelten. Es wird vermutet, dass im Rahmen eines viralen Infektgeschehens in 1-5% der Fälle eine kardiale Mitbeteiligung besteht. Die bisherigen Erkenntnisse im Zusammenhang mit Covid-19 sind allerdings auffällig.

Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen eines Personal Trainings

Die Behandlung der Langzeitfolgen richtet sich nach den individuellen Einschränkungen unter Einbeziehung vorhandener Begleiterkrankungen. In vielen Fällen ist ein multimodaler Ansatz notwendig unter Einbeziehung relevanter Fachärzte und Therapeuten. Gerade bei schweren Verläufen und einer Kombination psychischer, körperlicher und kognitiver Einschränkungen ist die Inanspruchnahme einer Rehabilitationsmaßnahme zu empfehlen. Rehabilitationskliniken werden den Betroffenen maßgeschneiderte Interventionen bieten, die mit einem Gewinn an Erfahrung qualitativ hochwertiger werden. Ein Betroffener sollte jedoch darauf achten, dass die entsprechende Rehabilitationsklinik sich nicht nur aktuell auf Covid-19 fokussiert hat, sondern bereits vorher auf den betroffenen Bereich (z.B. Pneumologie oder Kardiologie) spezialisiert war.

Das grundsätzliche Problem der Rehabilitation bleibt auch hier bestehen. Nach 3 bis 4 Wochen kommen die betroffenen in ihr normales Leben zurück und Vorsätze sowie Gelerntes gehen schnell wieder verloren. Eine dauerhafte Betreuung vor Ort bringt hier weitaus größere Effekte in der Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität. Diese Betreuung vor Ort kann ein erfahrener Personal Trainer leisten und für die nötigen bewegungstherapeutischen Inhalte im Personal Training sorgen sowie bei Bedarf Ärzte, Psychologen und Therapeuten mit einbeziehen.

Durch die teilweise lange Inaktivität in Kombination mit virusbedingten Schäden an Organen ist ein progressiver Wiederaufbau konditioneller Fähigkeiten notwendig, um die Aktivitäten des täglichen Lebens zu verbessern. Neben einem dosierten Ausdauer-, Kraft-, Koordinations- und Beweglichkeitstraining orientieren sich die weiteren Behandlungsmöglichkeiten am jeweiligen Beschwerdebild des überwiegend betroffenen Organs. In meiner Tätigkeit als Sportwissenschaftler in der Pneumologischen Rehabilitation konnte ich viele Erfahrungen in der Behandlung von Atemwegserkrankungen sammeln. Neben allgemeinen atemgymnastischen Übungen können spezielle Techniken zur Atemwahrnehmung, Atemlenkung oder Sekretmobilisation, Kräftigung der Atem(hilfs)muskulatur und relevanter Muskelgruppen indiziert sein. Auch das pulsoximetrisch überwachte Ausdauertraining hat für mich immer einen wichtigen Bestandteil einer hochwertigen Betreuung dargestellt.

Durch meine Arbeit mit Herzpatienten in der kardiologischen Rehabilitation konnte ich mir auch in diesem Bereich ein umfangreiches Fachwissen aneignen, das mir nun als Personal Trainer im Umgang mit Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen sehr hilfreich ist.

Präventive Maßnahmen

Ein Blick auf die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer Covid-19 Erkrankung (u.a. Diabetes, Hypertonie, Chronische Atemwegserkrankungen, Adipositas mit BMI > 35, Vitamin-D-Mangel, Rauchen) zeigt gleichzeitig mittelfristige Möglichkeiten auf, das eigene Risiko eines schweren Verlaufs zu reduzieren. Hier liegt mein Fokus auf Lebensstilveränderungen hin zu mehr Bewegung, einer gesünderen Ernährung und somit einem gesunden Mikrobiom, einem günstigen Verhältnis von Stress und Entspannung sowie guten sozialen Kontakten.

Literatur

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