Der Selbstversuch – 6 Monate Kälte

Was bringen Kälteanwendungen wirklich? Ich habe den Selbstversuch gemacht. Nach einem halben Jahr regelmäßiger Kälteanwendung, hier nun mein Zwischenfazit.

Warum mache ich das überhaupt?

Diese Frage kommt mir immer wieder in den Sinn. Egal ob bei schwindenden Kräften in einer Kletterroute 100 Meter über dem Boden, einem leckeren und gesunden Mittagessen, dass die Kinder mal wieder nicht mögen oder eben beim Gang ins kalte Wasser.

Bei den Kaltwasseranwendungen ist die Antwort schnell gefunden. Es geht mir vor allem um den Abhärtungseffekt, also weniger kälteempfindlich zu sein und weniger Atemwegsinfekte zu bekommen. Dass Kälte Spaß macht und es ein tolles Gefühl ist aus der kalten Nordsee zu kommen, spielt natürlich auch eine Rolle.

Der Selbstversuch

Seit etwa 6 Monaten setze ich mich fast täglich kurzen Kältereizen aus. Meistens geht es unter die kalte Dusche oder für ein paar Minuten in die Nordsee. Viel Überwindung kostet es mich selten. Nur früh morgens, wenn die Körpertemperatur sowieso am niedrigsten ist, ist die Hürde besonders hoch. Doch hat das ganze etwas bewirkt?

Kälteempfindlichkeit

Zu Beginn habe ich selbst nach einer kurzen kalten Dusche lange gebraucht um wieder warm zu werden. Inzwischen hat mein Körper gelernt die Körpertemperatur viel besser zu regulieren. Ich friere deutlich seltener und bin auch jetzt im November oft noch mit kurzer Hose draußen unterwegs. Was die Kälteempfindlichkeit angeht ist der Selbstversuch also ein voller Erfolg.

Infektanfälligkeit

Es hat sich gezeigt, dass bei Eisbadern die Infektanfälligkeit über Jahre hinweg abnimmt. Doch werde ich diesen Effekt bereits nach einem halben Jahr spüren? Leider nein. Erkältungen, die die Kinder mit nach Hause bringen, erwischen mich nach wie vor noch oft. Die Zeit wird zeigen, ob sich auch die Infektanfälligkeit positiv entwickelt.

Hormetische Reize

Kälte ist ein hormetischer Reiz. Die richtige Dosis hat einen gesundheitsförderlichen Effekt. Dauerhafte Kälteeinwirkung dagegen schadet. So leiden Menschen die überwiegend in kalter Umgebung arbeiten weitaus häufiger an chronischen Schmerzen. Bei den Kälteanwendungen geht es allerdings um eine kurzfristige und optimal dosierte Anwendung.

Ein idealer Indikator für einen geeigneten Kältestimulus stellt der Zeitraum dar, bis man sich wieder warm fühlt. Selbst verständlich kann man auch die Körpertemperatur nutzen, um sicherzugehen nicht zu unterkühlen bzw. um eine bestimmte Zielkörperkerntemperatur zu erreichen. Praktikabler ist es auf den eigenen Körper zu hören und sich langsam heranzutasten.

Fazit

Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Insbesondere die verbesserte Thermogenese ist ein sensationeller Effekt. Ich werde dranbleiben und bin gespannt wie fordernd es im Winter werden wird in der Nordsee zu baden. Und falls die Hürde zu groß ist, bleibt ja noch die kalte Dusche…

Wer mehr über Kälteanwendungen erfahren möchte, empfehle ich meine Beiträge Kältereize für die Gesundheit sowie Kälteanwendungen & Krafttraining.

Literatur

  • Working in a cold environment, feeling cold at work and chronic pain: a cross-sectional analysis of the Tromsø Study. Hoftun Farbu et al., BMJ, 2019
  • Human performance research for military operations in extreme cold environments. Sullivan-Kwantes et al., J Sci Med Sport, 2021
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